Etappe 5: Hängstboden – Urnerboden

Etappe 5: Hängstboden – Urnerboden

Richteli tip top…

Was für ein wunderbarer Start in den Tag, wenn du geweckt wirst, weil dir die Sonne durchs Fenster ins Gesicht strahlt. Du stehst auf und siehst die Berge, die du gestern nicht gesehen hast. Dann merkst du, dass du gestern die Schuhe wohl zu fest gebunden hattest, weil dir die Knöchel weh tun. Aber das ist schnell wieder vergessen, wenn du den ersten Schritt in Richtung Berg machst, die Sonne dir in den Rücken scheint und du einen meerblauen Himmel vor dir siehst. Wer braucht schon das Liegen am Strand, wenn man das haben kann.

Man muss ehrlich sagen, perfekter hätte der Tag heute nicht sein können. In der Morgensonne ging es abwechselnd über Wiesen und durch Waldstücke bis hin zur Skihütte Erbs, wo ich eigentlich die Nacht verbringen wollte. Leider haben sie mir abgesagt, weil der Wetterfrosch damals schlechtes Wetter vorausgesagt hat. Wie auch immer, es ging weiter den Berg hinauf und ich konnte schon erahnen, wo ich später stehen würde und auf den Weg zurückblicken würde.

Über einen schönen Wanderweg ging es stetig bergauf und ich musste ein wenig aufpassen, nicht in Gatsch oder Kuhfladen zu steigen. Besagte Kuhfladen kamen wohl von der Herde, die dann mitten auf meinem Weg stand. Noch immer habe ich sehr viel Respekt vor den Tieren. – Eventuell sollte ich mal eine Tierärztin meines Vertrauens fragen, ob Kühe genauso austreten können wie Pferde. – Langsam, aber stetig schlängelte ich mich an den Kühen vorbei. Eine war sogar nett und zeigte mir den Weg, während sie vor mir herrannte. Und dann: ein Kalb. Mutter sicher nicht weit, eine Kuh mit Hörnern/Stier auch in der Nähe. Zur Sicherheit bog ich auf ein Gebirgsbächlein ein und folgte dem Wasser aufwärts, bis ich sicher an allen vorbei war und zurück auf den Weg gelangte.

Oben angekommen musste ich wieder fluchen. Eine riesen Nebelschwade versperrte die Sicht. Also, weiter des Weges und nach etwa 50 Schritten war der Nebel auch wieder weg und es offenbarte sich eine wunderschöne Almlandschaft mit einem Weg, der mich zum heutigen höchsten Punkt bringen sollte. Genau wegen solcher Wege und der dazugehörigen Aussicht geht man wandern. Es sah einfach nur mächtig aus, da nickte mir sogar der alte Mann, an dem ich vorbeikam, zustimmend zu.

Den sehr angenehmen Weg entlang kam ich dann auch am Richtelipass an und genoss für ein paar Minuten die Aussicht, während ich mir einen Snack gönnte. Der folgende Abstieg war dann anfangs recht schwierig, da die Seite des Berges noch im Schatten lag und noch alles aufgeweicht und rutschig vom gestrigen Regen war. Trotzdem kam ich so flott voran wie der Große Trailrun-Meister aus Amerika, Downa Hill.

Richtung Linthal folgte ich dann der Durnagel, wobei es hier zuerst über einen Schotterweg ging und anschließend einen Weg entlang, wo man den Fluss zwar hören, aber nicht sehen konnte. Linthal selbst ist wohl nur für die Zahnradbahn nach Braunwald bekannt. Nachdem ich mir die Stempel gesichert hatte, musste ich die Entscheidung treffen, ob ich der Via Alpina folge oder einem Weg, der die ganze Braunwaldrunde überspringen würde und mir 2 Stunden sparen würde. Natürlich entschied ich mich für den längeren Weg, schließlich wollte ich die 2000 Höhenmeter-Marke noch brechen.

Auf einem Serpentinen-Weg ging es neben der Zahnradbahn hinauf Richtung Braunwald. Der Wald war in diesem Falle nicht braun, sondern Gold wert. In der Mittagshitze wäre alles viel schlimmer gewesen, aber im Schatten war der Aufstieg recht angenehm. Generell habe ich heute wieder gemerkt, wie sehr die Sonne zur Erschöpfung und zum vermehrten Durst beiträgt. 

Oben angekommen führte ein langer Weg mit schöner Aussicht zum letzten Waldstück für heute. Trotz steigender Müdigkeit genoss ich es nochmals, über Wurzeln und Steine auf den schmalen Wegen zur springen und fand mich bald wieder auf einem Almweg. Natürlich standen mir wieder ein paar Kühe im Weg, wobei ich aber mittlerweile zu müde war, auszuweichen und einfach vorbeiging. Solche lieben Tiere.

Zum Schluss ging es noch einmal ein bisschen bergab, einen kurzen Teil auf der Straße und dann dem Fätschbach entlang. Vorbei an einigen Leuten, die mit ihrem Wohnmobil am Fluss standen, sah der Bach in der Abendsonne richtig schön aus. Da ich kein Wasser mehr hatte, dachte ich oft darüber nach, einfach einen Schluck aus dem Bach zu nehmen, doch dann wurde mir wieder bewusst, dass ich gleich am Ziel war. Aber was sollte schon passieren? Ist ja nur Wasser. Im Endeffekt kam ich bis zur Unterkunft und trank dort genüsslich kaltes Wasser.

Hard Facts:

  • Strecke: 34 km
  • Aufstieg: 2.169 m
  • Abstieg: 2.185 m
  • Höchster Punkt: 2.261 m
  • Niedrigster Punkt: 646 m

Griaß eich!

P.S.: Hier geht´s zu den Fotos!

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